Kaum ein Thema erzeugt in Organisationen gerade so viel Bewegung wie Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig kaum ein Thema, bei dem so viel Unsicherheit herrscht: Wo fängt man an? Wer im Team kümmert sich darum? Und wie verhindert man, dass die nächste Fortbildung nach zwei Wochen wieder im Schubladen-Wissen verschwindet? Das gilt für eine Destination genauso wie für ein Museum, einen Kulturbetrieb oder ein Hotel.
Genau an diesem Punkt setzen die KI-Clubs an. Nicht als einzelnes Seminar, nicht als einmaliger Impulsvortrag – sondern als kontinuierliche Struktur, in der Organisationen einer Branche über zwei Jahre hinweg gemeinsam lernen, ausprobieren und sich austauschen. Den Anfang hat der KI-Club Tourismus gemacht; das Prinzip lässt sich, wie das Beispiel zeigt, auf jede Branche übertragen, die vor ähnlichen Fragen steht – aktuell etwa auf Kultureinrichtungen und Museen, künftig auch auf die Hotellerie.
Das Grundproblem: Wissen entsteht, aber es bleibt nicht
Die meisten Organisationen haben längst erkannt, dass sie sich mit KI beschäftigen müssen. Einzelne Mitarbeitende besuchen Webinare, testen Tools, lesen Fachartikel. Das Problem: Dieses Wissen bleibt oft an eine Person gebunden. Wechselt sie die Stelle oder hat sie im Alltag keine Zeit, es weiterzugeben, verpufft der Lerneffekt für die ganze Organisation. Im KI-Club Tourismus zeigt sich das exemplarisch: Eine Tourist-Information, die eine Mitarbeiterin zu einem Prompting-Seminar schickt, hat oft wenig davon, wenn das Wissen nicht in Struktur und Team überführt wird.
Ein KI-Club begegnet diesem Problem mit einem einfachen, aber wirksamen Prinzip: Wissen entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern in einer Gemeinschaft, die sich regelmäßig trifft, gemeinsame Fragen bearbeitet und sich gegenseitig auf dem Laufenden hält.
Was den Club von klassischen Fortbildungen unterscheidet
Kontinuität statt Einzelveranstaltung. Über zwei Jahre begleiten Webinare, Praxis-Updates, Spezialworkshops und ein persönliches Jahrestreffen die Mitgliedsorganisationen. KI-Entwicklungen verändern sich in Monatszyklen – ein einmaliges Seminar kann damit naturgemäß nicht Schritt halten. Ein Club schon.
Netzwerk statt Einzelkämpfertum. Ob Tourist-Information, DMO oder Landestourismusorganisation: Alle Mitglieder ringen mit ähnlichen Fragen – rechtliche Grundlagen, Prozessautomatisierung, der richtige Umgang mit generativer KI im Content. Im Club werden diese Fragen nicht in Einzelgesprächen mit einer Beraterin geklärt, sondern in der Gruppe, im direkten Austausch mit anderen, die vor denselben Herausforderungen stehen oder sie bereits gelöst haben.
Praxis statt Theorie. Die Formate – von Grundlagen-Webinaren über Gruppenarbeiten bis zu individuell abgestimmten Spezialworkshops vor Ort – sind konsequent auf die Anwendung im eigenen Arbeitsalltag ausgerichtet. Es geht nicht darum, was KI theoretisch kann, sondern darum, welchen Prozess eine Organisation morgen anders gestalten kann. Im KI-Club Tourismus heißt das etwa: kein abstrakter Vortrag über Automatisierung, sondern eine Gruppenarbeit, in der Teilnehmende ihren eigenen Buchungsprozess direkt vor Ort skizzieren.
Eine wachsende Wissensbasis statt verstreuter Notizen. Auf der clubeigenen Lern- und Austauschplattform sammeln sich Präsentationen, Aufzeichnungen, Prompt-Bibliotheken und Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Was im Club entsteht, bleibt der Organisation erhalten – auch über einzelne Personalwechsel hinweg.
Ein Verbund aus mehreren Dutzend Mitgliedsorganisationen, wie ihn die KI-Clubs bilden, bündelt genau die Ressourcen, die eine einzelne Institution allein nicht aufbringen könnte.
Matthias Burzinski
Warum das gerade für kleinere Organisationen entscheidend ist
Ob Tourist-Information, Museum oder inhabergeführtes Hotel: Viele Organisationen in diesen Branchen sind klein, personell knapp besetzt und können sich keine eigene KI-Abteilung leisten. Gleichzeitig verändert sich durch KI-Agenten und automatisierte Such- und Empfehlungssysteme gerade grundlegend, wie Gäste und Besucher:innen künftig überhaupt noch auf ein Angebot aufmerksam werden. Wer hier den Anschluss verliert, verliert nicht irgendein Detail, sondern die eigene Sichtbarkeit.
Ein Verbund aus mehreren Dutzend Mitgliedsorganisationen, wie ihn der KI-Club Tourismus mittlerweile bildet, bündelt genau die Ressourcen, die eine einzelne Institution allein nicht aufbringen könnte: Expertise, Erfahrungsaustausch und die Möglichkeit, von den Versuchen und Fehlern anderer zu lernen, bevor man sie selbst macht.
Kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug
Ein KI-Club ist kein Ort, an dem KI um ihrer selbst willen gefeiert wird. Er ist ein Werkzeug, damit Organisationen einer Branche die Fragen, die sie ohnehin beantworten müssen, gemeinsam und mit weniger Reibungsverlust klären: Wie gehen wir verantwortungsvoll mit generativer KI um? Welche Prozesse lassen sich sinnvoll automatisieren? Wie bleiben wir für unser Publikum – ob menschlich oder algorithmisch – sichtbar?
Die methodische Basis: Wie aus einem Club eine echte Akademie wird
Ein Club lebt vom Austausch. Damit aus diesem Austausch aber auch nachhaltiges, überprüfbares Lernen wird, braucht es mehr als Termine im Kalender. Für die Weiterentwicklung der KI-Clubs zu einer Art eigenen Akademie orientieren wir uns an vier methodischen Grundprinzipien:
1. Bedarfsanalyse statt Trendorientierung. Bevor ein Lernformat entsteht, klären wir, welche Kompetenzen eine Zielgruppe tatsächlich im Arbeitsalltag braucht, nicht was gerade in aller Munde ist. Das setzt voraus, bestehende Strukturen zu kennen, Stakeholder zu befragen und daraus messbare Lernziele abzuleiten.
2. Constructive Alignment als didaktisches Rückgrat. Nach dem Konzept des Bildungsforschers John Biggs müssen Lernziel, Methode und Überprüfung ineinandergreifen. Wer lernen soll, ein Ausstellungskonzept oder eine Prozessautomatisierung selbst zu entwickeln, muss das im Format auch tun, statt nur einen Vortrag darüber zu hören. Deshalb setzen wir auf Fallstudien, kollegiale Beratung und Action Learning statt auf reine Wissensvermittlung.
3. Blended Learning nach dem Flipped-Classroom-Prinzip. Präsenz, Live-Online- und Selbstlernphasen werden kombiniert. Teilnehmende bereiten sich eigenständig vor, etwa mit kurzen Videos oder Aufgaben, damit die gemeinsame Zeit für Anwendung, Diskussion und Austausch genutzt werden kann. Das erfordert Eigeninitiative, macht die knappe gemeinsame Zeit aber deutlich produktiver.
4. Transfer-Sicherung durch Peer Learning. Wissen, das nicht angewendet und im Kreis von Kolleg:innen reflektiert wird, verschwindet wieder. Der Austausch mit anderen aus der Community ist deshalb kein Zusatzangebot, sondern das Fundament. Genau das leisten die KI-Clubs schon heute – und genau darauf bauen wir auf, wenn daraus eine strukturierte Akademie für eine ganze Branche wird.
Diese vier Prinzipien gelten unabhängig davon, ob es um Tourismus, Kultur oder Hotellerie geht. Was sich unterscheidet, sind die konkreten Inhalte und Beispiele, nicht die methodische Grundlage.
Interesse an einer Mitgliedschaft oder Fragen zu einem KI-Club? Schreibt uns.
